Sucht, Abhängigkeit, Missbrauch, schädlicher Konsum: Was ist Sucht?

 

Woran merke ich, dass ich süchtig bin?

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Abhängigkeit (Sucht) als ein Zusammenspiel von körperlichen, psychischen, sowie Erscheinungen im Verhalten, das dem Gebrauch von Substanzen einen höheren Wert einräumt als andere Verhaltensweisen, die einem Menschen zuvor wichtiger waren. Hierbei spielt das große Verlangen die psychoaktive Substanz zu konsumieren eine zentrale Rolle. Die Organisation spricht offiziell seit 1964 von Abhängigkeit statt von Sucht und Gewöhnung.

 

Diagnosekriterien

 

Klinische Diagnosen erfolgen über die „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD), herausgegeben von der WHO. Im ICD-10 wird Abhängigkeit definiert, wenn mindestens 3 der folgenden Kriterien zusammen in einem Zeitraum von einem Monat oder wiederholt im Zeitraum von 12 Monaten aufgetreten sind:

 

  • Ein starkes Verlangen oder das Gefühl eines Zwanges eine Substanz nehmen zu müssen.

  • Eine beeinträchtigte Fähigkeit den Substanzkonsum in Bezug auf Beginn, Beendigung und Menge zu kontrollieren (Kontrollverlust).

  • Ein körperliches Entzugssyndrom, wenn der Konsum reduziert oder beendet wird.

  • Toleranzentwicklung (Steigerung der Dosis)

  • Verschiebung des Interesses auf den Substanzgebrauch

  • Anhaltender Konsum, obwohl schädliche Folgen aufgetreten sind

 

Neben dem starken Verlangen eine Substanz zu nehmen (so genanntes „Craving“) kann sich eine Abhängigkeit also darin zeigen, dass die Substanz öfter und in höheren Dosen oder über einen längeren Zeitraum als beabsichtigt genommen wird. Des Weiteren kann ein anhaltender Wunsch bestehen oder es kann auch erfolglose Versuche gegeben haben, den Konsum zu reduzieren oder zu kontrollieren. Ein charakteristisches Entzugssyndrom für diese Substanz auftreten oder der Konsum einer verwandten Substanz um die Entzugserscheinungen zu vermindern oder zu vermeiden. Eine deutliche Steigerung der Dosis um die gewünschte Wirkung zu erzielen ist zu beobachten oder die verminderte Wirkung der Substanz bei gleichbleibender Menge. Eine Interessenverschiebung auf den Konsum zeigt sich in der Vernachlässigung anderer Vergnügen und Interessen oder einem großen zeitlichen Aufwand in der Beschaffung, des Konsums oder der Erholung von den Wirkungen zeigt. Der Konsum wird trotz auftretender Schädigungen und schädlichen Folgen fortgesetzt. Dies setzt voraus, dass diese wahrgenommen werden können oder davon ausgegangen werden kann.

 

Was ist Missbrauch oder schädlicher Konsum?

 

Ein Missbrauch oder schädlicher Gebrauch liegt vor, wenn bereits (gesundheitliche) Schäden als Folge des Konsums aufgetreten sind, aber nicht die Kriterien für eine Abhängigkeit erfüllt sind. So können zum nur Beispiel 2 statt 3 der genannten Diagnosekriterien zutreffen.

 

Von was kann ich süchtig werden?

 

Abhängigkeiten können durch den Konsum von psychoaktiven Substanzen entstehen, dann spricht man von stoffgebundenen Süchten (Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen). Das kann z.B. folgendende Substanzen betreffen:

 

  • Alkohol

  • Opioide

  • Cannabis

  • Sedative und Hypnotika

  • Kokain

  • Stimulantien

  • Halluzinogene

  • Tabak

  • Flüchtige Lösungsmittel

 

Die Abhängigkeit von bestimmten Verhaltensweisen wird auch stoffungebundene Süchte (oder auch Substanzungebundene Abhängigkeit) genannt. Im ICD-10 finden sich folgende Diagnosen als Störung der Impulskontrolle:

 

  • Essstörungen

  • Pathologische Spielen

  • Pathologische Brandstiftung

  • Pathologisches Stehlen

 

Weitere Verhaltensabhängigkeiten können sich beispielsweise in folgenden Bereichen entwickelten:

 

  • Mediennutzung

  • Arbeit

  • Sport

  • Sexualität

  • Kaufen